Ladevorgang...
Sportvorhersagen
Ladevorgang...
Katar 2022 veränderte alles. Der dritte WM-Titel nach 36 Jahren Wartezeit, Messis Krönung, ein ganzes Land in Ekstase – und die Frage, ob diese Generation den Titel verteidigen kann. Ich war skeptisch, als Argentinien 2021 die Copa América gewann. Ich war weniger skeptisch, als sie 2022 in Katar den Pokal holten. Jetzt, vor der WM 2026, bin ich überzeugt: Diese Mannschaft hat das Zeug, Geschichte zu schreiben.
Lionel Messi wird 39 sein, wenn das Turnier beginnt. Die Frage, ob er spielen wird, ist noch nicht endgültig beantwortet. Doch selbst ohne Messi – oder mit einem Messi in reduzierter Rolle – bleibt Argentinien eine der gefährlichsten Mannschaften der Welt. Der Kader hat sich verjüngt, die Mentalität eines Champions ist geblieben.
Was Argentinien von anderen Titelverteidigern unterscheidet, ist die Kontinuität. Frankreich 2022 kam mit einem völlig veränderten Kader zur Titelverteidigung, Deutschland 2018 mit internen Konflikten, Spanien 2014 mit einem überalterten Team. Argentinien hingegen hat die Grundstruktur beibehalten, während einzelne Positionen organisch verjüngt wurden. Die Spieler, die 2022 wichtig waren, sind 2026 immer noch da – nur mit vier Jahren mehr Erfahrung auf höchstem Niveau. Das ist selten, und das ist wertvoll.
Als Weltmeister nach Nordamerika
Die Finalissima 2022 gegen Italien, die Copa América 2024 gegen Kolumbien, die Finalissima 2025 gegen Spanien – Argentiniens Trophäensammlung unter Trainer Lionel Scaloni ist beeindruckend. Kein anderes Nationalteam hat in den letzten vier Jahren mehr gewonnen. Diese Siegesserie hat einen Effekt auf die Mannschaft, der schwer zu quantifizieren ist: Selbstvertrauen, das aus Erfahrung entsteht. Diese Spieler wissen, wie es sich anfühlt, Titel zu gewinnen. Sie kennen den Druck, die Erwartungen, die Momente, in denen alles auf dem Spiel steht – und sie haben jedes Mal geliefert.
Scaloni hat etwas geschafft, das vor ihm niemand schaffte – er hat die argentinische Nationalmannschaft von der Messi-Abhängigkeit befreit, ohne Messi zu verlieren. Die Albiceleste kann auch ohne ihren Kapitän spielen, sie muss es sogar in manchen Spielen. Und wenn Messi spielt, ist er das Sahnehäubchen auf einem ohnehin schon üppigen Kuchen. Das System funktioniert nicht mehr um einen Spieler herum, sondern als Kollektiv, in dem jeder seine Rolle kennt.
Die CONMEBOL-Qualifikation für die WM 2026 war ein Spaziergang. Argentinien belegte den ersten Platz mit 14 Punkten Vorsprung auf den Zweiten, gewann zehn von zwölf Spielen und liess nur zwei Unentschieden zu. Keine Niederlage in der gesamten Qualifikation – eine Dominanz, die selbst für argentinische Verhältnisse aussergewöhnlich ist. Brasilien, der ewige Rivale, musste um die Qualifikation zittern. Argentinien zitterte nie. Diese Überlegenheit in Südamerika, dem wohl schwersten Qualifikationsturnier der Welt, ist ein Statement.
Was diese Qualifikation besonders macht: die Tiefe des Kaders. Auch ohne Messi in mehreren Spielen funktionierte die Mannschaft. Julián Álvarez übernahm die kreative Verantwortung, Enzo Fernández diktierte das Mittelfeld, Lisandro Martínez und Cristian Romero hielten die Defensive zusammen. Scaloni rotierte mutig und wurde belohnt – jeder Spieler, der zum Einsatz kam, lieferte ab. Das ist keine Selbstverständlichkeit, sondern das Ergebnis jahrelanger Arbeit an der Teamkultur.
Die Auswärtsspiele zeigten die wahre Klasse. In Brasilien ein 1:0-Sieg im Maracanã, in Kolumbien ein 2:1 in der Höhe von Bogotá, in Ecuador ein 3:0 gegen einen Gegner, der zu Hause fast unbezwingbar ist. Diese Resultate entstehen nicht durch Zufall oder einzelne Geniemomente. Sie entstehen durch Mannschaftsstärke, taktische Disziplin und die Fähigkeit, unter widrigen Umständen zu funktionieren. Genau das braucht man bei einer WM.
Der argentinische Kader: Nach Messi
Die zentrale Frage für die WM 2026 ist paradoxerweise die am wenigsten wichtige: Spielt Messi oder nicht? Natürlich würde seine Anwesenheit die Mannschaft stärker machen. Natürlich wäre sein Fehlen ein emotionaler Verlust. Aber taktisch ist Argentinien längst nicht mehr das Team, das ohne Messi orientierungslos wirkte.
Julián Álvarez hat sich zum Weltklassestürmer entwickelt. Bei Atlético Madrid trifft er verlässlich, seine Bewegung ohne Ball ist die beste seiner Generation. Er kann als alleiniger Stürmer spielen, als hängende Spitze, auf den Flügeln – diese Vielseitigkeit macht ihn zum perfekten Plan B, falls Messi nicht einsatzfähig ist. Oder zum perfekten Plan A, wenn Messi neben ihm spielt.
Enzo Fernández ist mit 25 Jahren bereits einer der komplettesten Mittelfeldspieler der Welt. Bei Chelsea war seine Integration schwierig, bei der Nationalmannschaft ist er seit Jahren unersetzlich. Sein Passspiel öffnet Räume, sein Pressing gewinnt Bälle, seine Übersicht findet Lösungen, wo andere keine sehen. Der WM-Titel 2022, bei dem er zum besten jungen Spieler gewählt wurde, war erst der Anfang.
In der Defensive hat Argentinien mit Cristian Romero und Lisandro Martínez zwei Innenverteidiger, die bei den grössten Klubs der Premier League Stammspieler sind. Romero bei Tottenham bringt Aggressivität und Spielaufbau, Martínez bei Manchester United die Konstanz und das Luftduell. Dahinter steht Emiliano Martínez, der Held des Finales 2022, dessen Elfmetertricks legendär sind.
Lautaro Martínez von Inter Mailand ist eine weitere Option im Sturm, mit über 25 Toren pro Saison in der Serie A. Alexis Mac Allister von Liverpool kontrolliert das Spiel, wenn Enzo Fernández Ruhe braucht. Nicolás González, Gonzalo Montiel, Nahuel Molina – die Liste der Spieler mit Erfahrung in europäischen Spitzenligen ist lang. Diese Kadertiefe unterscheidet Argentinien 2026 von früheren Generationen.
Die Torhütersituation verdient besondere Erwähnung. Emiliano Martínez ist nicht nur ein exzellenter Keeper, er ist ein psychologischer Faktor. Seine Angewohnheit, Elfmeterschützen zu provozieren, ging um die Welt – und sie funktioniert. Bei der WM 2022 hielt er entscheidende Elfmeter gegen die Niederlande und Frankreich. Bei der Copa América 2024 wiederholte er das Kunststück. Mit 33 Jahren ist er im besten Torwartalter, erfahren genug für die grossen Momente, jung genug für Reflexe auf höchstem Niveau. Hinter ihm steht Gerónimo Rulli als solider Ersatzmann, der bei Ajax regelmässig spielt.
Was diesen Kader von 2022 unterscheidet, ist die Verjüngung ohne Qualitätsverlust. Di María ist nicht mehr dabei, aber seine Rolle haben mehrere Spieler übernommen. Die Defensive ist sogar stärker, weil Romero und Martínez zwei weitere Jahre Erfahrung gesammelt haben. Das Mittelfeld mit Fernández, Mac Allister und Paredes hat Alternativen in Lo Celso und Palacios. Scaloni hat 26 Spieler auf absolutem Spitzenniveau zur Verfügung – ein Luxus, den nur wenige Nationaltrainer geniessen.
Gruppe J: Algerien, Österreich, Jordanien
Die Auslosung hat es gut gemeint mit dem Weltmeister. Gruppe J ist keine Herausforderung für eine Mannschaft von Argentiniens Kaliber – sie ist eine Formalität. Algerien, Österreich und Jordanien werden um Platz zwei kämpfen, während Argentinien den Gruppensieg praktisch garantiert hat.
Algerien bringt afrikanische Leidenschaft und technisch versierte Spieler, aber auf WM-Niveau fehlt die Tiefe. Riyad Mahrez, mittlerweile 35, ist immer noch der gefährlichste Spieler, doch auch er kann nicht allein gegen Argentiniens Defensive bestehen. Die Algerier haben die Afrikameisterschaft 2019 gewonnen, seitdem aber keinen grossen Titel mehr geholt. Ihre Qualifikation für die WM 2026 war mühsam, mit Problemen in der Offensive.
Österreich ist die interessanteste Mannschaft der Gruppe. David Alaba, wenn fit, ist einer der vielseitigsten Verteidiger seiner Generation. Marcel Sabitzer und Konrad Laimer bringen Bundesliga-Qualität ins Mittelfeld. Die Österreicher haben unter Ralf Rangnick einen klaren Spielstil entwickelt – hohes Pressing, schnelle Umschaltspiele, körperbetonte Zweikämpfe. Gegen Argentinien könnte das funktionieren, wenn alles passt. Aber „wenn alles passt“ ist keine Strategie gegen einen Weltmeister. Für Wetten ist Österreich interessant als Gegner, gegen den Argentinien vielleicht nicht zu null gewinnt – BTTS (Beide Teams treffen) zu einer Quote von etwa 2.10 wäre eine Überlegung wert.
Jordanien nimmt zum ersten Mal an einer WM teil. Für die Spieler ist das die Erfüllung eines Traums, für die Wetttaktik bedeutet es: unberechenbar, aber wahrscheinlich überfordert. Die Asienmeisterschaft 2024, bei der Jordanien das Finale erreichte, zeigte das Potenzial. Doch der Sprung zur WM ist gewaltig, und Argentinien ist kein Gegner für ein Debüt.
Die Spielorte in Gruppe J liegen alle in den USA, was für Argentinien von Vorteil ist. Die grosse argentinische Diaspora in den Vereinigten Staaten wird für Heimspielatmosphäre sorgen. Bei der Copa América 2024, ebenfalls in den USA ausgetragen, waren die Stadien bei argentinischen Spielen blau-weiss gefärbt. Diese Unterstützung ist kein taktischer Faktor, aber ein emotionaler – und bei Turnieren zählt auch die Emotion.
Chancen auf den zweiten Stern in Folge
Seit 1962 hat keine Mannschaft mehr den WM-Titel verteidigt. Brasilien scheiterte 1998, Frankreich 2022, Italien 2010 – die Geschichte ist voll von Titelverteidigern, die an der Bürde des Erfolgs scheiterten. Kann Argentinien diesen Fluch brechen?
Die Argumente dafür sind stark. Der Kader ist jünger als 2022, die Schlüsselspieler sind im besten Alter. Álvarez ist 26, Fernández 25, Romero 28, Lisandro Martínez 28 – das sind Spieler, die noch drei, vier Jahre auf höchstem Niveau spielen können. Die Erfahrung des WM-Sieges steckt in ihren Köpfen, ohne dass die Körper nachgelassen haben.
Die Argumente dagegen sind ebenfalls stark. Titelverteidiger werden von jedem Gegner mit besonderer Motivation bekämpft. Argentinien ist das Ziel, der Skalp, den jeder haben will. Diese zusätzliche Intensität in jedem Spiel ist ermüdend, physisch und mental. Dazu kommt das 48-Team-Format, das mehr Spiele bedeutet – sieben statt sechs für den Titelgewinn.
Was für Argentinien spricht: die Mentalität. Diese Mannschaft hat in den letzten Jahren so oft in entscheidenden Momenten geliefert, dass man nicht mehr von Zufällen sprechen kann. Das Finale 2022 gegen Frankreich, verlängert, Elfmeterschiessen – Argentinien gewann. Die Copa América 2024, Angel Di María verletzt, Messi angeschlagen – Argentinien gewann. Es gibt Mannschaften, die Spiele gewinnen, und es gibt Mannschaften, die Turniere gewinnen. Argentinien ist letzteres.
Ein unterschätzter Faktor ist die Trainerkontinuität. Lionel Scaloni ist seit 2018 im Amt, länger als jeder andere aktuelle Nationaltrainer einer Topnation. Er kennt jeden Spieler, jede Stärke, jede Schwäche. Er hat das System perfektioniert, die Hierarchie etabliert, das Vertrauen aufgebaut. Während andere Nationalmannschaften mit neuen Trainern und neuen Ideen experimentieren, weiss Argentinien genau, was es tut. Diese Stabilität ist im Turniermodus ein enormer Vorteil – keine Anpassungszeit, keine Unsicherheiten, keine Überraschungen in der eigenen Kabine.
Scaloni hat zudem bewiesen, dass er unter Druck die richtigen Entscheidungen trifft. Im Finale 2022 brachte er Gonzalo Montiel für das entscheidende Elfmeterschiessen, obwohl Montiel das gesamte Turnier kaum gespielt hatte. Montiel verwandelte den letzten Elfmeter. Solche Entscheidungen trennen gute Trainer von grossen Trainern.
Argentinien in den Wettquoten
Die Buchmacher sehen Argentinien als einen der Topfavoriten, typischerweise mit Quoten zwischen 5.00 und 6.00 für den Gesamtsieg. Das entspricht einer implizierten Wahrscheinlichkeit von etwa 17 bis 20 Prozent – keine andere Mannschaft wird deutlich höher eingeschätzt. Frankreich liegt ähnlich, England und Brasilien folgen dahinter. Was diese Quote aussagt: Der Markt erwartet, dass Argentinien ungefähr jede fünfte bis sechste WM gewinnen würde, wenn man das Turnier wiederholen könnte. Das ist eine realistische Einschätzung für den Titelverteidiger.
Der Gruppensieg ist mit Quoten um 1.10 praktisch eine sichere Sache – zu wenig Value für eine Wette, aber ein Indikator für die Markterwartung. Die Quote für Argentinien erreicht das Finale liegt bei etwa 2.50, was ebenfalls die Stärke der Mannschaft widerspiegelt.
Interessanter sind die Einzelspielermärkte. Julián Álvarez als WM-Torschützenkönig wird mit Quoten um 10.00 gehandelt – eine Quote, die bei einem tiefen argentinischen Lauf attraktiv werden könnte. Wenn Messi nicht spielt oder eine reduzierte Rolle einnimmt, wird Álvarez der Haupttorschütze sein. Sechs oder sieben Turniertore sind bei sieben Spielen realistisch.
Die Quote für Emiliano Martínez als bester Torwart des Turniers liegt bei etwa 5.00. Er hat bei der WM 2022 den goldenen Handschuh gewonnen, seine Elfmeterstatistik ist überragend. Wenn Argentinien weit kommt und wenige Tore kassiert, ist diese Wette Value.
Ein Blick auf die Quotenbewegungen der letzten Monate zeigt: Argentinien wird konstant bei 5.00 bis 6.00 gehandelt, ohne grosse Schwankungen. Das deutet darauf hin, dass der Markt die Mannschaft korrekt einschätzt – weder über- noch unterbewertet. In solchen Fällen liegt der Value nicht im Gesamtsieg, sondern in den Nebenmärkten. Die Quote für Argentinien ohne Gegentor in der Gruppenphase liegt bei etwa 3.00 – bei den Gegnern Algerien, Österreich und Jordanien eine realistische Option.
Wett-Tipps für die Albiceleste
Gruppenphase: Argentinien wird alle drei Spiele gewinnen, wahrscheinlich zu null. Die Quote für drei Siege in der Gruppenphase liegt bei etwa 1.60 – nicht spektakulär, aber sicher. Eine interessantere Option ist „Argentinien gewinnt die Gruppe mit 9 Punkten und mindestens 8 Toren Differenz“ – hier liegt die Quote bei etwa 2.50, was bei den erwarteten Ergebnissen Value hat.
Turnierverlauf: Ich sehe Argentinien im Finale, unabhängig davon, wer der Gegner ist. Die Quote für Argentinien erreicht das Finale (2.50) ist eine der sichersten Value-Wetten des Turniers. Die Quote für den Gesamtsieg (5.50) ist ebenfalls attraktiv, auch wenn die Titelverteidigung historisch schwierig ist.
Spielerwetten: Álvarez als argentinischer Torschützenkönig ist meine Top-Empfehlung. Selbst wenn Messi spielt, wird Álvarez die meisten Tore erzielen – er ist der zentrale Stürmer, er bekommt die Chancen. Eine Quote von 2.20 für Álvarez als argentinischer Torschützenkönig ist Value. Alternativ: Enzo Fernández für mehr als 2.5 Torvorlagen im Turnier zu einer Quote von etwa 2.80.
Worauf ich nicht setzen würde: Handicap-Wetten in den Gruppenspielen. Argentinien wird gewinnen, aber nicht unbedingt hoch. Scaloni schont Kräfte für die K.-o.-Runde, ein 1:0 gegen Jordanien ist wahrscheinlicher als ein 4:0. Die Mannschaft spielt effizient, nicht spektakulär.
Ein weiterer Tipp für fortgeschrittene Wetter: Die Halbzeitwette. Argentinien beginnt Spiele oft kontrolliert, ohne frühe Risiken. Die Quote für 0:0 zur Halbzeit im ersten Gruppenspiel gegen Algerien liegt typischerweise bei 3.50 – ein Ergebnis, das bei Argentiniens vorsichtigem Spielbeginn häufig vorkommt. Die Tore fallen dann in der zweiten Hälfte, wenn der Gegner müde wird.
Stärken und mögliche Schwachstellen
Die grösste Stärke Argentiniens ist die mentale Konstanz. Diese Mannschaft gerät nicht in Panik, wenn sie zurückliegt. Sie beschleunigt nicht unnötig, wenn sie führt. Sie spielt ihr Spiel, unabhängig vom Ergebnis. Diese Reife kommt aus Erfahrung, aus gewonnenen Turnieren, aus überwundenen Krisen. Im Finale 2022 gegen Frankreich lag Argentinien zweimal in Führung, Frankreich glich zweimal aus – und Argentinien fand die Ruhe, das Elfmeterschiessen zu gewinnen.
Die zweite Stärke ist die taktische Flexibilität. Scaloni kann Systeme wechseln, ohne die Grundstruktur zu verlieren. Mit Messi spielt Argentinien anders als ohne Messi, gegen pressingstarke Gegner anders als gegen tiefstehende. Diese Anpassungsfähigkeit ist im Turniermodus Gold wert – wo man innerhalb von Tagen auf völlig verschiedene Spielweisen reagieren muss.
Die potenzielle Schwachstelle liegt auf den Flügeln. Angel Di María ist nicht mehr dabei, Nicolás González ist gut, aber kein Weltklassespieler. Wenn Gegner die Mitte zustellen und Argentinien über aussen angreifen muss, kann es schwerfällig werden. Die Aussenverteidiger Molina und Acuña sind offensivstark, aber nicht so, dass sie Spiele im Alleingang entscheiden.
Die zweite Schwachstelle: Elfmeter. Ja, Argentinien hat das Finale 2022 im Elfmeterschiessen gewonnen. Aber Emiliano Martínez‘ Tricks werden inzwischen studiert, Gegner bereiten sich vor. Wenn es wieder zum Elfmeterschiessen kommt, ist der psychologische Vorteil nicht mehr so klar wie 2022. Aber das ist Spekulation – und gegen Argentinien ins Elfmeterschiessen zu kommen, ist ohnehin ein Erfolg für jeden Gegner.
Eine dritte potenzielle Schwachstelle ist das Alter einzelner Schlüsselspieler. Messi, falls er spielt, wird 39 sein. Nicolás Otamendi, der erfahrene Innenverteidiger, wird 38 sein. Ángel Di María ist zwar nicht mehr dabei, aber seine Abwesenheit hinterlässt eine Lücke in der Erfahrung bei grossen Turnieren. Die junge Generation muss diese Last übernehmen – und obwohl sie 2022 geliefert hat, war Messi damals noch der unbestrittene Anführer. Wie die Mannschaft reagiert, wenn es eng wird und Messi auf der Bank sitzt, ist die grosse Unbekannte.
Taktisch hat Scaloni eine Lösung für fast jedes Problem gefunden. Gegen ballbesitzstarke Gegner kann Argentinien tief stehen und kontern. Gegen defensive Mannschaften kann Argentinien geduldig aufbauen und auf individuelle Momente setzen. Gegen physisch starke Gegner hat Argentinien technische Qualität. Diese Vielseitigkeit ist kein Zufall, sondern jahrelange Arbeit – und sie wird bei der WM 2026 entscheidend sein.
Der heisseste Kandidat auf den Titel
Keine Mannschaft geht mit mehr Selbstvertrauen in die WM 2026 als Argentinien. Der Weltmeistertitel, die Copa América, die Finalissimas – diese Generation hat alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt. Der Hunger ist trotzdem da, weil die Geschichte lockt: Zwei WM-Titel in Folge hat seit 1962 niemand mehr geschafft. Das ist keine Last, das ist eine Chance, die nur alle paar Jahrzehnte kommt.
Die Gruppe ist ein Geschenk, der Weg ins Halbfinale sollte machbar sein. Erst dort, gegen eine europäische Topnation wie Frankreich oder England, wird es ernst. Aber Argentinien hat gegen jeden Gegner eine Chance – und mehr als das. Diese Mannschaft ist der Favorit, nicht aus Sympathie, sondern aus Analyse. Die Zahlen sprechen für Argentinien, die Erfahrung spricht für Argentinien, die Qualität spricht für Argentinien.
Für Wetten bedeutet das: Argentinien-Wetten sind keine Value-Fallen, auch wenn die Quoten moderat sind. Der Gesamtsieg zu 5.50, das Finale zu 2.50, Álvarez als Torschützenkönig – das sind Wetten, die auf Wahrscheinlichkeit basieren, nicht auf Hoffnung. Manchmal ist der Favorit auch der Value.
Ob Messi dabei sein wird, ist letztlich unwichtig für die Analyse. Diese Mannschaft kann ohne ihn gewinnen. Sie würde mit ihm stärker sein, keine Frage. Aber der dritte Stern ist das Ziel, nicht die Verabschiedung eines einzelnen Spielers. Argentinien 2026 ist mehr als Messi – und das ist vielleicht das grösste Kompliment, das man dieser Generation machen kann.
Die historische Dimension sollte nicht unterschätzt werden. Wenn Argentinien den Titel verteidigt, wäre es die erste Mannschaft seit Brasilien 1962, der das gelingt. Scaloni würde zum erfolgreichsten argentinischen Trainer aller Zeiten, vor César Luis Menotti und Carlos Bilardo. Die Spieler würden Legenden werden, nicht nur Messi, sondern auch Fernández, Álvarez, Martínez – eine ganze Generation, die zwei Weltmeisterschaften gewonnen hat. Diese Motivation ist real, und sie wird in jedem Spiel spürbar sein.