Ladevorgang...
Sportvorhersagen
Ladevorgang...
Neun Jahre lang habe ich internationale Turniere analysiert – und noch nie stand ich vor einem Format, das so radikal mit allem bricht, was wir kennen. Die WM 2026 verdoppelt nicht einfach die Teilnehmerzahl. Sie verändert die DNA des Weltfussballs. Drei Gastgeberländer über drei Zeitzonen. 104 Spiele statt 64. Ein Turnier, das sich über 39 Tage erstreckt und dabei Kontinente verbindet.
Was das für dich als Zuschauer oder Wetter bedeutet? Mehr Spiele, mehr Überraschungen, aber auch mehr Komplexität. Die alte Regel „Gruppenphase abwarten, dann einsteigen“ funktioniert nicht mehr, wenn 12 Gruppen parallel laufen und die besten Dritten ins Achtelfinale einziehen. Ich habe diesen Guide geschrieben, um dir einen echten Überblick zu geben – nicht die üblichen Wikipedia-Fakten, sondern das Wissen, das du brauchst, um dieses Turnier zu verstehen.
Vom neuen Modus über die 16 Stadien bis zu den Anstosszeiten für Liechtenstein und die Schweiz: Hier findest du alles, was du zur WM 2026 wissen musst. Und ja, natürlich schauen wir uns auch an, wie der amtierende Weltmeister Argentinien seine Titelverteidigung angeht. Aber zuerst: Was ändert sich wirklich, wenn plötzlich 48 statt 32 Teams um den Titel spielen?
Die Antwort ist vielschichtiger, als es die meisten Diskussionen vermuten lassen. Es geht nicht nur um 16 zusätzliche Mannschaften. Es geht um eine fundamentale Neugestaltung der Turnierstruktur, die Auswirkungen auf Wettquoten, Favoritenrollen und Aussenseiterchancen hat. Ein Team wie Marokko, das 2022 als Halbfinalist die Welt überraschte, würde im neuen Format noch mehr Möglichkeiten haben, die Grossen zu ärgern. Die zusätzlichen K.-o.-Runden bedeuten auch zusätzliche Stolpersteine für die Favoriten.
48 Teams statt 32: Was sich ändert
Als die FIFA 2017 beschloss, die WM auf 48 Teams aufzublähen, war die Kritik laut. Verwässerung des Wettbewerbs, zu viele bedeutungslose Spiele, Kommerz über Qualität. Fünf Jahre später hat sich die Stimmung gedreht – nicht weil die Kritik falsch war, sondern weil das ursprünglich geplante Format von 2017 nicht mehr existiert.
Der erste Entwurf sah 16 Dreiergruppen vor. Jedes Team hätte nur zwei Gruppenspiele gehabt, Absprachen wären ein Leichtes gewesen, und die drittplatzierten Teams wären direkt ausgeschieden. Dieses Format wurde 2023 verworfen. Die WM 2026 kehrt zum bewährten Vierergruppen-System zurück – nur eben mit 12 Gruppen statt 8.
Das bedeutet konkret: Jede Mannschaft bestreitet drei Gruppenspiele. Die zwei Gruppenbesten steigen direkt ins Achtelfinale auf. Dazu kommen die acht besten Gruppendritte – ein Modus, den wir von der EM 2016 und 2020 kennen. Von 48 Teams erreichen also 32 die K.-o.-Runde. Zum Vergleich: Bei der WM 2022 mit 32 Teams kamen 16 weiter. Die Qualifikationsquote bleibt nahezu identisch.
Die Erweiterung bringt tatsächliche Neuerungen mit sich. Erstmals spielen vier WM-Debütanten gleichzeitig mit: Kap Verde, Curaçao, Jordanien und Usbekistan haben sich 2025 für ihre allererste Weltmeisterschaft qualifiziert. Regionen, die bislang chronisch unterrepräsentiert waren, bekommen mehr Plätze. Afrika stellt jetzt neun Teams statt fünf, Asien sechs statt vier.
Für die Wettanalyse ändert sich mehr, als viele denken. Mit 104 Spielen statt 64 gibt es schlicht mehr Datenpunkte, mehr Turnierverläufe, mehr Überraschungen. Die Gruppenphase dauert vom 11. bis zum 28. Juni – 17 Tage mit durchschnittlich vier Spielen pro Tag. Das Achtelfinale beginnt am 29. Juni mit 16 K.-o.-Spielen innerhalb von fünf Tagen. Wer sich auf diese WM vorbereiten will, braucht ein System.
Die sportliche Qualität des Feldes hat durch die Erweiterung übrigens nicht massiv gelitten. Teams wie Schottland, Schweden oder Norwegen hätten sich auch beim alten Format qualifiziert. Die echten Debütanten – Kap Verde, Curaçao, Jordanien, Usbekistan – sind die Ausnahme, nicht die Regel. Sie bringen frischen Wind, werden aber in ihren Gruppen als klare Aussenseiter antreten.
Was sich ändert, ist die Dynamik innerhalb der Gruppen. Mit nur vier Teams pro Gruppe bleibt jedes Spiel entscheidend. Ein Fehltritt im ersten Spiel kann schnell zum Gruppenende führen – oder eben nicht, weil die besten Dritten weiterkommen. Diese Sicherheitsnetz-Struktur hat bei der EM 2016 dazu geführt, dass Teams wie Portugal mit drei Unentschieden in der Gruppenphase am Ende Europameister wurden. Die WM 2026 könnte ähnliche Überraschungen produzieren.
Für die taktische Analyse bedeutet das erweiterte Format: Mehr Daten, aber auch mehr Rauschen. Nicht jedes Gruppenspiel wird mit voller Intensität geführt. Teams, die nach zwei Spielen sicher im Achtelfinale sind, werden im dritten Spiel rotieren. Die wirkliche Form der Top-Teams zeigt sich erst in der K.-o.-Phase – und dann kann es schnell gehen.
USA, Mexiko und Kanada als Gastgeber
1994 brachte die WM in den USA Rekordzuschauerzahlen. 3.6 Millionen Fans strömten in die Stadien – ein Wert, der bis heute unerreicht ist. 32 Jahre später kehrt das Turnier zurück, diesmal mit zwei Co-Gastgebern und einem Kontinent, der Fussball längst nicht mehr als exotische Randsportart betrachtet.
Die Verteilung der Spiele spiegelt die Grössenverhältnisse wider: Die USA richten 78 der 104 Partien aus, inklusive aller Spiele ab dem Viertelfinale. Mexiko und Kanada teilen sich die übrigen 26 Begegnungen – je 13 pro Land, ausschliesslich in der Gruppenphase und im Achtelfinale.
Was bedeutet das für die Atmosphäre? Die USA setzen auf ihre NFL-Stadien, umgerüstet für Fussball. Das MetLife Stadium in New Jersey, Heimat der Giants und Jets, wird zum Schauplatz des Finales. Mit 82’500 Plätzen ist es das zweitgrösste WM-Finale-Stadion aller Zeiten – nur das Maracanã 1950 fasste mehr. Das SoFi Stadium in Los Angeles, erst 2020 eröffnet, gilt als das modernste Stadion der Welt. Seine transluzente Dachmembran lässt natürliches Licht herein, während das Innere klimatisiert bleibt.
Mexiko bringt Geschichte mit. Das Estadio Azteca in Mexiko-Stadt ist das einzige Stadion weltweit, das zwei WM-Finale gesehen hat – 1970 und 1986. Pelé holte hier seinen dritten Titel, Maradona seinen einzigen. Wenn am 11. Juni 2026 das Eröffnungsspiel Mexiko gegen Südafrika angepfiffen wird, schlägt das Azteca sein drittes WM-Kapitel auf.
Kanada betritt die WM-Bühne erstmals als Gastgeber. Das BMO Field in Toronto und das BC Place in Vancouver werden die kanadischen Spielorte sein. Beide Stadien sind kleiner als ihre US-amerikanischen Pendants – das BC Place fasst 54’500 Zuschauer – aber die Atmosphäre in Vancouver bei der Women’s World Cup 2015 zeigte, dass Kanada grosse Turniere kann.
Die geografische Ausdehnung ist beispiellos. Zwischen Seattle und Miami liegen 4’500 Kilometer Luftlinie. Zwischen Vancouver und Monterrey sind es über 3’800 Kilometer. Für Teams bedeutet das intensive Reisepläne, für Fans lange Flüge zwischen den Spielorten. Die FIFA hat versucht, Gruppen geografisch zu clustern, aber vollständig vermeiden lässt sich das Reisechaos nicht.
Ein Aspekt, der oft übersehen wird: Die unterschiedlichen Rasenqualitäten. Amerikanische Football-Stadien wie das MetLife Stadium und das AT&T Stadium müssen ihren Kunstrasen durch temporären Naturrasen ersetzen. Die FIFA hat strenge Anforderungen an die Spielfeldqualität, aber ob ein frisch verlegter Rasen im Juni dieselbe Qualität bietet wie ein gewachsenes europäisches Feld, bleibt abzuwarten. Bei der Copa América 2016 in den USA gab es Beschwerden über schlechte Platzbedingungen – die WM-Organisatoren haben daraus gelernt, aber das Risiko bleibt.
Wirtschaftlich ist dieses Turnier bereits jetzt ein Rekordbrecher. Die erwarteten Einnahmen aus Ticketverkäufen, Fernsehrechten und Sponsoring übersteigen alle bisherigen Weltmeisterschaften. Der nordamerikanische Markt mit seiner kaufkräftigen Bevölkerung und dem wachsenden Fussballinteresse verspricht der FIFA Gewinne jenseits der 7-Milliarden-Dollar-Marke. Ob das den Sport voranbringt oder nur die Verbandskassen füllt, darüber lässt sich streiten.
Die 16 WM-Stadien im Portrait

Als ich vor drei Jahren begann, die WM-Stadien zu analysieren, fiel mir sofort auf: Die USA haben nicht einfach 11 Stadien geliefert – sie haben eine Demonstration ihrer Sportwirtschaft hingelegt. Jedes dieser Stadien kostet mehr als die gesamte WM-Infrastruktur mancher früherer Turniere.
Das MetLife Stadium im Grossraum New York ist das Herzstück. 82’500 Plätze, Baukosten von 1.6 Milliarden Dollar, keine Stadionüberdachung trotz der oft unberechenbaren Ostküstenwetter. Das Finale am 19. Juli wird hier stattfinden – bei durchschnittlichen Temperaturen von 28 Grad Celsius und einer Luftfeuchtigkeit, die europäischen Teams zu schaffen machen wird.
Das SoFi Stadium in Los Angeles ist das technologische Vorzeigeobjekt. 5 Milliarden Dollar Baukosten machen es zum teuersten Stadion aller Zeiten. Sein Samsung-Videoboard, ein ovaler Ring mit 80’000 Quadratfuss LED-Fläche, zeigt Nahaufnahmen so scharf, dass Spieler behaupten, die Emotionen der Gegenspieler darauf ablesen zu können. Hier werden zwei Halbfinals ausgetragen.
Das AT&T Stadium in Dallas war bei seiner Eröffnung 2009 eine Sensation. Das retraktierbare Dach, die gigantische Videowand, die Kapazität von 80’000 Plätzen bei Konzerten. Für die WM wird es auf 92’000 Zuschauer erweitert – genug, um die grössten Gruppenspiele und ein Viertelfinale zu beherbergen.
In Miami erwartet die Spieler eine andere Herausforderung: Hitze und Feuchtigkeit. Das Hard Rock Stadium hat kein geschlossenes Dach, nur einen Baldachin, der 60 Prozent der Sitze beschattet. Die Spiele werden überwiegend abends angepfiffen, aber selbst dann können die Temperaturen 30 Grad übersteigen. Teams, die in der Qualifikation viel in gemässigtem Klima gespielt haben, werden hier ihre konditionellen Grenzen kennenlernen.
Das Mercedes-Benz Stadium in Atlanta bietet das Gegenteil: ein vollständig schliessbares Dach und Klimatisierung, die konstante 22 Grad hält. Sein achteckiges, fächerartiges Dach kann in zwölf Minuten geöffnet werden – ein Spektakel für sich. Die niedrigen Ränge sind steil gebaut, was eine Intimität erzeugt, die man in Stadien dieser Grösse selten findet.
Seattle bringt den Lärm. Das Lumen Field, Heimat der Seahawks und der MLS-Mannschaft Seattle Sounders, ist für seine Akustik berüchtigt. Die Fans der Seahawks haben zweimal Erdbebenausschläge bei Seismographen verursacht. Für WM-Spiele bedeutet das einen echten Heimvorteil für die USA, deren Gruppengegner hier antreten werden.
Die drei mexikanischen Stadien ergänzen die amerikanische Monumentalität mit lateinamerikanischer Leidenschaft. Das Azteca in Mexiko-Stadt liegt 2’240 Meter über dem Meeresspiegel – hoch genug, dass Teams aus flachen Regionen Akklimatisierungsprobleme bekommen. Das BBVA-Stadion in Monterrey, erst 2015 eröffnet, gilt als eines der modernsten Lateinamerikas. Das Akron-Stadion in Guadalajara kombiniert traditionelle mexikanische Architektur mit FIFA-Standardanforderungen.
Kanadas Stadien sind die kleinsten des Turniers, aber nicht weniger bedeutsam. Das BC Place in Vancouver kann sein Luftkissen-Dach bei jedem Wetter geschlossen halten. Das BMO Field in Toronto wurde für die WM von 30’000 auf 45’500 Plätze erweitert – eine temporäre Erweiterung, die nach dem Turnier wieder zurückgebaut wird.
Die übrigen US-Stadien haben jeweils eigene Charakteristiken. Das NRG Stadium in Houston ist vollständig überdacht und klimatisiert – ein Segen bei texanischen Sommertemperaturen, die regelmässig 38 Grad übersteigen. Das Gillette Stadium in Boston, Heimat der New England Patriots, liegt am weitesten nördlich aller US-Spielorte und bietet angenehme Sommertemperaturen um 25 Grad. Das Lincoln Financial Field in Philadelphia, das Arrowhead Stadium in Kansas City und das Levi’s Stadium in San Francisco vervollständigen das US-Portfolio – jedes mit seiner eigenen Geschichte, Atmosphäre und logistischen Besonderheit.
Die Vielfalt der Stadien ist eine Stärke und Schwäche zugleich. Trainer müssen ihre Vorbereitung an die spezifischen Bedingungen jedes Spielorts anpassen: Höhenlage, Klima, Rasenqualität, Akustik. Das eröffnet taktische Möglichkeiten, die bei Turnieren mit homogenerer Infrastruktur nicht existieren.
Gruppenmodus und Spielplan erklärt
Der Übergang vom 32-Teams-Format zum 48-Teams-Format folgt einer simplen Arithmetik, die in der Praxis kompliziert wird. 48 geteilt durch 4 ergibt 12 Gruppen. 12 Gruppen mal 6 Spiele pro Gruppe ergeben 72 Gruppenspiele. Dazu 16 Achtelfinalspiele, 8 Viertelfinalspiele, 4 Halbfinals, ein Spiel um Platz 3 und das Finale – insgesamt 104 Partien.
Die Gruppenphase läuft über 17 Tage, vom 11. bis 27. Juni. An den Spitzentagen werden sechs Partien parallel in verschiedenen Zeitzonen angepfiffen. Für europäische Zuschauer bedeutet das: Die frühen Spiele in der US-Ostküste starten um 15 Uhr Ortszeit, was 21 Uhr MESZ entspricht. Spiele an der Westküste um 18 Uhr Pacific Time sind um 3 Uhr nachts in Liechtenstein.
Das Weiterkommen funktioniert wie bei der EM 2016 und 2020: Die zwei besten Teams jeder Gruppe qualifizieren sich direkt fürs Achtelfinale. Dazu kommen die acht besten Drittplatzierten aus den 12 Gruppen. Die Auswahl der besten Dritten basiert auf Punkten, dann Tordifferenz, dann erzielten Toren. Bei der EM 2016 reichten vier Punkte als Gruppendritter garantiert, bei der WM 2026 wird die Schwelle ähnlich liegen.
Das Achtelfinale beginnt am 28. Juni und verteilt sich über fünf Tage. Hier zeigt sich, warum die geografische Planung so komplex ist: Ein Team, das seine Gruppenspiele in Kanada absolviert hat, könnte im Achtelfinale plötzlich in Miami antreten müssen. Die FIFA versucht, solche Extremfälle zu vermeiden, aber das Grid erlaubt nicht immer perfekte Lösungen.
Die K.-o.-Phase folgt dem klassischen Baum-Format. Keine zweiten Chancen, keine Playoffs – wer verliert, fliegt. Das Viertelfinale konzentriert sich auf vier US-Städte: Dallas, Kansas City, Los Angeles und Miami. Die Halbfinals finden beide in Los Angeles statt – eine logistische Herausforderung für Teams, die innerhalb von drei Tagen eventuell zweimal dort antreten. Das Finale am 19. Juli im MetLife Stadium schliesst das Turnier ab.
Die Ansetzungen für die Gruppenphase wurden im Dezember 2025 fixiert. Jede Gruppe hat einen festen „Host City“-Cluster. Gruppe A spielt in Mexiko-Stadt, Atlanta und Houston. Gruppe B – mit der Schweiz – ist in San Francisco, Los Angeles und Vancouver angesiedelt. Das minimiert Reisen für Fans, die ein Team durchgehend begleiten wollen, garantiert aber nicht, dass das Team selbst weniger fliegen muss.
Ein wichtiger Unterschied zum bisherigen Format: Die zusätzliche K.-o.-Runde. Mit 32 Teams im Achtelfinale statt 16 gibt es eine komplette Runde mehr, bevor das Viertelfinale beginnt. Das bedeutet für Favoriten: ein zusätzliches Risiko, früh auszuscheiden. Für Aussenseiter: eine zusätzliche Chance, eine Sensation zu landen. Bei der WM 2022 scheiterten Deutschland und Belgien in der Gruppenphase – bei diesem Format hätten sie noch das Achtelfinale erreichen können und dort eine zweite Chance gehabt.
Die Setzliste für die Auslosung basierte auf der FIFA-Weltrangliste vom November 2025. Die 12 Gruppenköpfe waren: Brasilien, Frankreich, Argentinien, England, Spanien, Deutschland, Niederlande, Portugal, Belgien, USA, Mexiko und Kanada – wobei die drei Gastgeber automatisch Topf 1 zugeordnet wurden. Das hat zu Kritik geführt: Kanada war zum Zeitpunkt der Auslosung nur auf Platz 42 der Weltrangliste. Aber die FIFA wollte sicherstellen, dass alle Gastgeber ihre Gruppen als Favoriten beginnen.
Der Weg zur WM: Qualifikation abgeschlossen
Im März 2026 fiel die letzte Entscheidung. Slowenien scheiterte im Playoff-Finale gegen Bosnien-Herzegowina, während die Ukraine in der Verlängerung gegen Griechenland den letzten europäischen Platz sicherte. Die Qualifikation zur WM 2026 war die längste und komplizierteste aller Zeiten – ein Prozess, der im März 2024 begann und sich über zwei Jahre erstreckte.
Europa stellte die grösste Delegation: 16 Teilnehmer qualifizierten sich über die Gruppenphase, weitere zwei über die Playoffs. Die grossen Nationen sind alle dabei – Deutschland, Frankreich, England, Spanien, Italien. Aber auch Überraschungen wie Georgien, das sich nach dem EM-Erfolg 2024 erstmals für eine WM qualifizierte, oder Schottland, das seine Qualifikationsgruppe souverän gewann.
Südamerika schickt sechs Teams plus Argentinien als Titelverteidiger. Brasilien, Argentinien, Uruguay, Kolumbien, Ecuador und Paraguay bilden einen Block, der in den letzten fünf Weltmeisterschaften dreimal den Titel holte. Die CONMEBOL-Qualifikation gilt als die härteste weltweit – kein Team bleibt ohne Niederlage, jedes Auswärtsspiel in La Paz, Quito oder Lima ist ein Überlebenskampf.
Afrika profitiert am stärksten von der Erweiterung. Neun Teams statt fünf – das ist fast eine Verdopplung. Neben etablierten Kräften wie Marokko, dem WM-Halbfinalisten 2022, und Senegal sind auch Newcomer wie Kap Verde dabei. Der afrikanische Fussball hat in den letzten Jahren enorme Fortschritte gemacht, und diese WM könnte der Moment sein, in dem ein afrikanisches Team erstmals das Halbfinale erreicht oder sogar überbietet.
Asien stellt acht Teams – so viele wie nie zuvor. Japan, Südkorea und Australien sind die bekannten Namen, aber auch Länder wie Usbekistan und Jordanien haben sich erstmals qualifiziert. Die asiatische Qualifikation lief in fünf Runden, beginnend mit Ausscheidungsspielen zwischen den schwächeren Verbänden und endend mit einer Finalrunde der acht stärksten Teams.
CONCACAF hat acht Plätze, davon drei automatisch vergeben an die Gastgeber USA, Mexiko und Kanada. Die anderen fünf – Panama, Costa Rica, Honduras, Jamaika und Curaçao – qualifizierten sich über eine Achtelnationen-Liga, die von 2024 bis 2025 lief. Curaçao ist der Überraschungsqualifikant – ein Karibikstaat mit 150’000 Einwohnern, der seine erste WM-Teilnahme feiert.
Ozeanien ist mit Neuseeland vertreten. Die All Whites setzten sich in der ozeanischen Qualifikation durch und gewannen auch das interkontinentale Playoff gegen Peru. Es ist ihre erste WM seit 2010, als sie als einziges Team ohne Niederlage blieben – drei Unentschieden, null Siege, Gruppenausscheiden.
Interessant ist, wer fehlt. Italien hat sich wieder nicht qualifiziert – nach dem Debakel von 2022 setzte sich die Krise fort. Die Azzurri scheiterten in der Playoff-Runde an Nordmazedonien und bestätigen damit einen Negativtrend, der 2018 begann. Auch Klassiker wie die Niederlande bei der WM 2002 oder 2018 zeigen, dass die Qualifikation selbst für grosse Nationen keine Selbstverständlichkeit ist. Die WM 2026 findet ohne Chile statt, das seine südamerikanische Qualifikationsgruppe nur auf Platz 8 beendete. Schweden verpasste das Turnier ebenso, eine Überraschung für alle, die den skandinavischen Fussball unterschätzen.
Die Qualifikation war auch von politischen Spannungen geprägt. Russland blieb von der Teilnahme ausgeschlossen, eine Konsequenz des andauernden Konflikts. Iran qualifizierte sich sportlich, steht aber unter konstanter Beobachtung durch FIFA und öffentliche Meinung. Der Sport kann sich nicht vollständig von der Weltpolitik isolieren – und bei einer WM in Nordamerika, mit Teams aus allen Kontinenten, werden diese Spannungen sichtbar bleiben.
Termine: 11. Juni bis 19. Juli 2026
39 Tage Turnierfussball. 104 Spiele. Ein Zeitplan, der selbst erfahrene WM-Beobachter an ihre Grenzen bringt. Als ich den vollständigen Spielplan zum ersten Mal analysierte, wurde mir klar: Dieses Turnier ist nicht für Puristen konzipiert, die jedes Spiel schauen wollen. Es ist ein Fest der Auswahl.
Das Eröffnungsspiel am 11. Juni 2026 findet im Estadio Azteca statt. Mexiko gegen Südafrika – der Gastgeber gegen ein Team, das 2010 selbst die WM ausrichtete. Anstoss ist 18 Uhr Ortszeit, 1 Uhr nachts in Liechtenstein. Für europäische Fans ein undankbarer Start, aber das Azteca wird trotzdem 87’000 Stimmen produzieren.
Die Gruppenphase teilt sich in drei Spieltage pro Gruppe, verteilt auf 17 Tage. Der erste Spieltag erstreckt sich vom 11. bis 16. Juni – sechs Tage, in denen jedes Team sein Auftaktspiel bestreitet. Dann folgt der zweite Spieltag vom 17. bis 22. Juni, abgeschlossen vom finalen Gruppenspiel am 23. bis 27. Juni. Die letzten Spiele jeder Gruppe werden parallel angepfiffen, um Absprachen zu verhindern.
Das Achtelfinale beginnt unmittelbar danach, am 28. Juni. 16 Partien in fünf Tagen – ein brutaler Rhythmus, der den Teams kaum Regeneration lässt. Die Sieger haben nur 72 Stunden bis zum Viertelfinale am 4. und 5. Juli.
Die Halbfinals am 8. und 9. Juli finden beide im SoFi Stadium in Los Angeles statt. Das ist ein logistischer Vorteil für Teams, die bereits in Kalifornien spielen, aber ein Nachteil für die, die aus dem Osten anreisen müssen. Das Spiel um Platz 3 am 18. Juli ist für Hard Rock Stadium in Miami angesetzt – ein Trostpreis, den manche Spieler ablehnen, den aber die FIFA aus kommerziellen Gründen beibehält.
Das Finale am 19. Juli ist für 20 Uhr Ortszeit angesetzt – 2 Uhr nachts in Liechtenstein. Die FIFA hat bewusst eine Zeit gewählt, die für das nordamerikanische Publikum prime time ist. Europäische, asiatische und afrikanische Fans werden Nachtschichten einlegen oder am nächsten Morgen Zusammenfassungen schauen.
Die wichtigsten Termine im Überblick: Das Eröffnungsspiel findet am 11. Juni statt. Die Gruppenphase läuft vom 11. bis 27. Juni mit insgesamt 72 Spielen. Danach folgt das Achtelfinale vom 28. Juni bis 2. Juli mit 16 Partien. Das Viertelfinale wird am 4. und 5. Juli ausgetragen, acht Spiele an zwei Tagen. Die vier Halbfinalspiele finden am 8. und 9. Juli statt. Das Spiel um Platz 3 ist für den 18. Juli angesetzt, und das Finale steigt am 19. Juli.
Anstosszeiten für Liechtenstein und die Schweiz
Die Zeitverschiebung ist der stille Killer für europäische WM-Zuschauer. Ich habe 2014 in Brasilien jedes Spiel live verfolgt – teilweise bis 5 Uhr morgens. Die WM 2026 wird ähnliche Opfer verlangen, aber mit einem Unterschied: Die Spiele sind noch ungünstiger verteilt.
Während der WM gilt in Liechtenstein und der Schweiz die Mitteleuropäische Sommerzeit, also UTC+2. Die USA operieren in vier Zeitzonen: Eastern (UTC-4), Central (UTC-5), Mountain (UTC-6) und Pacific (UTC-7). Das ergibt eine Zeitdifferenz von 6 bis 9 Stunden, je nach Spielort.
Für Spiele an der Ostküste – New York, Philadelphia, Boston, Miami – bedeutet das: Anstoss um 13 Uhr Ortszeit entspricht 19 Uhr MESZ. Anstoss um 16 Uhr ist 22 Uhr bei uns, Anstoss um 19 Uhr bedeutet 1 Uhr nachts. Die meisten Gruppenspiele werden um 13, 16 oder 19 Uhr Eastern angesetzt – also 19, 22 und 1 Uhr in Vaduz oder Zürich.
Die Schweiz spielt in Gruppe B, deren Spiele in San Francisco, Los Angeles und Vancouver stattfinden. Das ist Pacific Time Zone – die ungünstigste für europäische Zuschauer. Ein Anstoss um 15 Uhr in San Francisco bedeutet Mitternacht in Liechtenstein. Die drei Gruppenspiele der Nati werden voraussichtlich um 15 oder 18 Uhr Pacific angepfiffen, was 0 Uhr oder 3 Uhr nachts in unserer Zeitzone entspricht.
Das ist keine Verschwörung gegen europäische Fans. Die FIFA optimiert für das nordamerikanische Publikum, das Prime-Time-Zuschauerzahlen garantiert. Die Spiele um 18 Uhr Pacific sind 21 Uhr an der Ostküste – perfekt für das US-Fernsehen. Für uns heisst das: Wecker stellen oder Aufzeichnungen schauen.
Immerhin: Das Finale am 19. Juli startet um 20 Uhr in New York, also 2 Uhr nachts in Liechtenstein. Das ist machbar. Wer sich eine Nacht um die Ohren schlagen will, kann das mit einem klaren Gewissen tun.
Die typischen Anstosszeiten und ihre Umrechnung nach MESZ: Spiele um 13 Uhr Eastern bedeuten 19 Uhr bei uns, 16 Uhr Eastern entspricht 22 Uhr MESZ, und 19 Uhr Eastern heisst 1 Uhr nachts am Folgetag. Noch ungünstiger wird es an der Westküste: 15 Uhr Pacific ist Mitternacht MESZ, 18 Uhr Pacific bedeutet 3 Uhr nachts.
Argentinien: Der amtierende Weltmeister

Am 18. Dezember 2022 sah ich, wie Lionel Messi den Pokal in die Höhe stemmte. Nach 36 Jahren hatte Argentinien wieder einen WM-Titel gewonnen – und die Frage, ob Messi je Weltmeister werden würde, war endgültig beantwortet. Jetzt, dreieinhalb Jahre später, steht eine andere Frage im Raum: Kann diese Mannschaft verteidigen?
Die Antwort ist kompliziert. Messi wird im Juni 2026 genau 39 Jahre alt sein. Bei der WM 2022 war er der unbestrittene Anführer, der in sieben Spielen sieben Tore schoss und drei vorbereitete. Er gewann den Goldenen Ball als bester Spieler des Turniers. Aber 39 ist ein Alter, in dem selbst die Grössten ihre Grenzen spüren. Messis Vertrag bei Inter Miami läuft, seine Einsätze in der argentinischen Nationalmannschaft wurden seltener. Ob er in Nordamerika noch einmal die gleiche Rolle einnehmen kann, weiss niemand.
Die Mannschaft hat sich seit Katar verändert. Ángel Di María ist aus dem Nationalteam zurückgetreten. Leandro Paredes hat seinen Stammplatz verloren. Enzo Fernández und Julián Álvarez sind jetzt die tragenden Säulen des Mittelfelds und Angriffs. Die Weltmeister-Generation von 2022 hat dem Kader ein Selbstvertrauen eingeimpft, das sich nicht verflüchtigt – aber sie hat auch Spuren hinterlassen, die verheilen müssen.
Argentinien spielt in Gruppe J, zusammen mit Algerien, Österreich und Jordanien. Das ist eine komfortable Auslosung. Algerien hat Qualität, aber nicht genug, um Argentinien ernsthaft zu gefährden. Österreich ist ein solider europäischer Vertreter ohne echte Titelambition. Jordanien ist WM-Debütant und wird froh sein, ein Tor zu erzielen. Die Gruppenphase sollte für den Titelverteidiger ein Durchmarsch werden.
Das Problem kommt danach. Trainer Lionel Scaloni hat gezeigt, dass er Turniere gewinnen kann – neben der WM auch die Copa América 2021 und 2024. Aber die Titelverteidigung bei einer WM ist seit 1962 keiner Mannschaft mehr gelungen. Brasilien 1962 war das letzte Team, das einen WM-Titel direkt verteidigte. Seitdem scheiterten alle Titelverteidiger – Deutschland 2018, Spanien 2014, Italien 2010, Frankreich 2002.
Für Wetten auf Argentinien bedeutet das: Die Albiceleste wird mit Quoten um 6.00 auf den Titel gehandelt – hinter Frankreich und England, aber vor Deutschland und Brasilien. Für ein Team mit Messi, auch einem alternden Messi, ist das attraktiv. Aber die Erwartung, dass sie automatisch ins Halbfinale marschieren, ignoriert die historische Realität: Titelverteidiger scheitern öfter früh als spät.
Was für Argentinien spricht: die Mannschaftschemie, das Selbstvertrauen eines Weltmeisters, die taktische Flexibilität unter Scaloni. Was dagegen spricht: das Alter der Schlüsselspieler, die lange Reise nach Nordamerika, die klimatischen Bedingungen, die sich von allem unterscheiden, was argentinische Spieler aus ihrer heimischen Liga kennen. Die Spiele in Gruppe J finden in Dallas und Houston statt – Hitze, Luftfeuchtigkeit, Bedingungen, die europäischen Vereinsspielern schwerfallen werden.
Meine Einschätzung: Argentinien wird die Gruppenphase überstehen, aber der wahre Test kommt im Viertelfinale. Dort wartet vermutlich ein frischer Gegner aus einer leichteren Gruppe, während die Albiceleste bereits drei anstrengende Wochen hinter sich hat. Die WM 2026 wird zeigen, ob dieses Team mehr ist als die Summe seiner Teile – oder ob der Glanz von Katar 2022 langsam verblasst.
Was diese WM besonders macht
Ich habe sechs Weltmeisterschaften analytisch begleitet, aber keine davon hatte so viele Unbekannte wie dieses Turnier. Die Erweiterung auf 48 Teams, die drei Gastgeberländer, das veränderte Klima, die beispiellosen Distanzen – all das sind Faktoren, die Vorhersagen riskant machen.
Die WM 2026 wird nicht die beste WM aller Zeiten sein. Diesen Anspruch hat sie nicht und sollte ihn nicht erheben. Sie wird aber die grösste sein, die umfangreichste, die zugänglichste für Länder, die bisher vom grossen Fussball ausgeschlossen waren. Wenn Curaçao gegen Deutschland antritt oder Jordanien gegen Argentinien, dann sind das Momente, die nur dieser neue Modus ermöglicht.
Für Wetter ist dieses Turnier ein Paradies und ein Minenfeld zugleich. Mehr Spiele bedeuten mehr Möglichkeiten – aber auch mehr Informationen, die verarbeitet werden müssen. Die Gruppenphase allein bietet 72 Ansätze für Einzelwetten. Dazu kommen Langzeitwetten auf Gruppensieger, Achtelfinal-Qualifikanten, beste Dritte. Wer hier ohne System einsteigt, wird untergehen.
Für die Schweiz ist diese WM eine Chance. Gruppe B ist machbar, das Achtelfinale ist Pflicht, das Viertelfinale ist realistisch. Ob mehr drin ist, hängt von Faktoren ab, die ich in den kommenden Wochen analysieren werde. Was ich jetzt schon sagen kann: Die Nati hat das Potential, dieses Turnier positiv zu überraschen – wenn die Vorbereitung stimmt und die Schlüsselspieler fit bleiben. Granit Xhaka, Manuel Akanji und die neue Generation um Dan Ndoye werden beweisen müssen, dass schweizerischer Fussball auf diesem Level mithalten kann.
Die WM 2026 beginnt am 11. Juni. 39 Tage Fussball, 104 Spiele, ein neuer Weltmeister. Oder ein alter, der seinen Titel verteidigt. Wie auch immer es ausgeht – dieses Turnier wird Geschichte schreiben. Nicht weil es das erste mit 48 Teams ist, sondern weil es zeigen wird, ob die Erweiterung funktioniert. Ob das Experiment gelingt oder ob die Kritiker recht behalten. Ich bin gespannt. Du hoffentlich auch.